
Das fürstliche Jagdschloss zu Walkenried
Das Walkenrieder Jagdschloss wurde
in den Jahren 1725-1730 für Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel erbaut. |
Vorgeschichte des Schlossbaus
Um 1720 weilte Hermann Korb in Walkenried, um den Zustand der baufälligen und zum Abbruch allerhand Baumaterialien gefordert
werden wolle, 220 Balken und Stangen zum Rüsten" vorgesehenen< alten Abtei zu begutachten. Die Planung für den Schlossbau begann im Januar 1721, als in einem "ohngefährlichen Überschlag was zu
dem künfftigen Bau auffm Stift Walckenrieth an veranschlagt wurden. Korb meinte, "der Bau möge wohl längere Zeit haben wollen und
einen absonderlichen Schreiber erfordern, der stetig gegenwärtig,"
und empfahl dazu den bis dahin in Harzburg tätigen Bauschreiber Jelpke. Im Januar 1725 orderte Korb 800 Pfähle 12-8 Zoll stark von 8 Fuß Länge für eine Pfahlgründung. Nach den Erfahrungen in Wolfenbüttel und Braunschweig befürchtete er offenbar Probleme bei der Gründung. Der Baugrund in Walkenried ist aber keineswegs sumpfig wie in der Okerniederung, so dass eine Pfahlgründung wohl nicht erforderlich war.
Als Bauplatz wurde der sogenannte Wildenhof (d.h. das Gestüt des Stiftsguts) im Süden des Klosters außerhalb der Imunitätsmauer vorgesehen. Das Grundstück war wie auch heute noch schon vor dem Schlossbau im Westen und Süden mit einer Mauer umgeben, wie Merians Kupferstich von Walkenried (1654) und der Grundriss des Klosters von G.L.Riesen (1723) zeigt. Eine undatierte und unsignierte Grundrissskizze aus der Bauzeit des Schlosses zeigt als Nebengebäude eine Küche im Süden und eine Stallung im Norden.
Als Bauplatz wurde der sogenannte Wildenhof (d.h. das Gestüt des Stiftsguts) im Süden des Klosters außerhalb der Imunitätsmauer vorgesehen. Das Grundstück war wie auch heute noch schon vor dem Schlossbau im Westen und Süden mit einer Mauer umgeben, wie Merians Kupferstich von Walkenried (1654) und der Grundriss des Klosters von G.L.Riesen (1723) zeigt. Eine undatierte und unsignierte Grundrissskizze aus der Bauzeit des Schlosses zeigt als Nebengebäude eine Küche im Süden und eine Stallung im Norden.
Der Bau des Schlosses unter J.J. Rammelsberg
Der Baubeginn verzögerte sich bis zum März 1725, wobei dann der nicht der von Korb vorgeschlagene Jelpke, sondern "Johann Just Rammelsberg zum Bau Schreiber bey dem fürstlichen Bau zu> Walckenrieth" bestellt wurde.
Johann Kust Rammelsberg war ein Sohn des quedlinburger Kaufmanns und Acciseeinnehmers Johann Martin Rammelsberg; sein Bruder war königlicher Rentmeister in Berlin. "Auf Befehl des fürstlichen Consistorii" ehelichte Rammelberg 1727 in Walkenried Anna Augusta Sophia von der Horst, die älteste Tochter des verstorbenen Pfarrers und Inspektors Andreas von der Horst. Die "Copulation" erfolgte "pur[g]atim auf Befehl des fürstlichen Consistoriums; die Dispensation" kostete 26 Taler. Das war viel Geld: Rammelsberg erhielt nach eigener Angabe nur2 Taler wöchentlich. Von den 10 Kindern aus dieser Ehe starben mehrere im Kindesalter. Am 06. September 1728 wurde in Walkenried der Sohn Carl Ernst Philipp geboren, am 14. Februar 1730 Ernst Friedrich. Einer der Taufpaten dieses Kindes war der am Jagdschloss tätige Braunschweiger Baumeister Binteweis. 1732 nach Braunschweig versetzt, wurde Rammelsberg 1735 entlassen und war dann 3 Jahre stellungslos. 1738 erhielt er einen Posten als Bauschreiber beim Schlossbau in Blankenburg, wurde dann aber 1748 nach Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten nach Braunlage endgültig in den Ruhestand geschickt. Seine zahllosen Eingaben zeigen ihn als schwierigen Querulanten. Als er 1750 den Antrag stellte, aus dem betrübten und theuren Braunlage wieder nach Walkenried ziehen zu dürfen, untersagte Herzog Carl I. persönlich, dass dieser unnütze Mensch zu Walkenried wohnend da selbst neue Händel anfange. Ob Rammelsberg dann, wie er es vor hatte, nach Wieda zog, ist ungewiss; im Kirchenbuch erscheint er dort nicht.
Der 1725 begonnene Rohbau des Jagdschlosses war um 1727 vollendet, während sich der Innenausbau bis 1730 hinzog. Die Arbeiten führte der Braunschweiger Baumeister Ernst Binteweis aus; Abrechnung und Bauüberwachung oblagen Rammelsberg. Schon 1725 kam es zwischen Korb und Rammelsberg, der embsiger an seinem Hause sei als am fürstlichen Bau und die Bauleute zum Bier holen gebrauchte, zu Reibereien. Korb traute auch Rammelbergs Abrechnung nicht. Auch der Drost Lüdecke under Amtmann Burchtorff in Walkenried schien mit der Amtsführung Rammelsbergs in Walkenried unzufrieden gewesen zu sein.
Für den Rohbau wurde 1725 ein Kalkofen zum Brennen von Bitterkalk (gleich CaCO3) angelegt; der benötigte Gips wurde wie damals im Südharz üblich noch in Meilern gebrannt. 1830 wurden diverse Rösten und "Gipskalck" aus Neuhof bezogen. Anfang 1728 waren für 3 Monate Handwerker aus Braunschweig an Boden, Treppen und Panelen tätig.Dann stellte sich heraus, dass einige Balken durch die Schornsteine geführt waren und wegen der Brandgefahr geändert werden mussten. Es fehlte auch noch der Außenputz der Obergeschosse. Die seit 3 Jahren stehenden Gerüste fingen bereits an, zu verrotten. Auch im Inneren standen noch Putzarbeiten aus; auf den Böden unterm Tache fehlte noch 1729 der Gipsestrich. Insgesamt also ein wenig zügig vorangetriebenes Projekt! Im Sommer 1729 wurden Änderungswünsche ausgeführt: Im Saal des Erdgeschosses sollten Steinplatten verlegt werden; die Türen zu den Erkerzimmern im Dachgeschoss waren zu klein; Öfen waren aufzustellen und Kamine zu ändern. Im Juli 1729 lieferte die Schächermühle im Harz 3 Schock Dielen für Fußböden; 1729 und 1730 wurden von Rammelsberg abschlagsweise ca. 1000 Reichstaler Handwerkerlöhne angefordert. 1729 wurden die Korb zugeschriebenen und für ihn typischen hölzernen Arkaden im Obergeschoss zwischen Treppe und Vorplatz von dem Ellricher Zimmermeister Mund ausgeführt. Nicht Korb, sondern der Baumeister Ernst Binteweis machte 1728 einen neuen Riss für die Treppe, "damit die Dischler wißen, wie sie arbeiten müssen". Die aufwendige Eichenholztäfelung des im Obergeschoss über der Diele liegenden Saals erfolgte 1729 bis zum August 1730 (noch heute im Original erhalten) durch den Tischler Scheller aus Braunschweig "auf des Herrn Baumeisters Befehl"; d.h. auf Weisung von Binteweis, der die Abrechnung abgezeichnet hat. Diese Arbeiten kosteten 300 Reichstaler.
Für Kamine lieferte die Wiedaer Faktorei 1730 "8 doppelte Camin Platten".
Im September 1730 wurde schließlich eine "große Taffel auf den Saal" geliefert. Mehr ist über die ursprüngliche Möblierung nicht bekannt. Einige von STEINACKER erwähnte Inventarstücke wie eine Standuhr mit Mahagonigehäuse sowie einige Spitzgläser stammen vielleicht aus dem Besitz des Fräulein von Münchhausen die das Gebäude nach der Fertigstellung bewohnte. Nachdem sich Fräulein von Münchhausen schon 1732 über eindringende Feuchtigkeit auf der Wetterseite beklagt hatte, stellte der Baumeister Zwibbe 1732 eine Reihe von Baufehlern fest, z.B. fehlende Wasserschläge an den Fenstern. Weitere Schäden wie abgefallener oder aufgeblähter Wandputz durch nicht treibfreien Gips mussten 1736 behoben werden.
Baubeschreibung
Der äußerlich recht schmucklose, zweigeschössige Bau über etwa quadratischen Grundriss hat ein einmal aufgestuftes Pyramidendach, wobei jede Seite einen 3 bzw. 2- fensterachsenbreiten, zwerghausartigen Dacherker aufweist. Die nach Osten gerichtete Eingangsseite hat 5, die übrigen Seiten haben 4 Fensterachsen. Auf der westlichen, schon im 18. Jahrhundert mit Brettern bekleideten Rückseite des Gebäudes bildet das Treppenhaus einen vorspringenden Risalit. Das Untergeschoss ist aus Dolomitquadern ausgeführt, das Obergeschoss und die Giebel der Dacherker sind verputzt. Die Gliederungselemente beschränken sich auf in jedem Geschoss umlaufende Gesimse mit einfachem Randschlag, Eckquaderung und vorspringende Fensterrahmungen aus Werkstein. Die sonst bei korbschen Bauten übliche Fassadengestaltung mit antikisierenden Pilastern fehlt vollkommen. Die ebenfalls von Hermann Korb entworfenen Jagdhäuser in Langeleben im Elm und in Hasselfelde waren in der Fassaden- und Grundrissgestaltung auf- wendiger; aber nur als Fachwerkbauten ausgeführt. Beide sind längst verschwunden, so dass Walkenried nicht nur als eins der wenigen erhaltenen Jagdhäuser Korbs gilt, insbesondere aber als Massivbau eine Sonderstellung einnimmt. Baumaterialien waren wohl frei zu haben, diente doch die Kirchenruine als billiger und bequemer Steinbruch. Einer der im Untergeschoss verbauten Steine an der südlichen Eingangsseite (unterhalb des Gesimses) trägt die nicht zu deutende Unzialschrift "EWA●GALLI●ABBIS●, offenbar das Fragment einer Bauinschrift aus der Klosterkirche.
Das Innere ist im Untergeschoss durch eine sehr große Diele von etwa 7 Meter Breite und über 14 Meter Länge mit 2 Kaminen beherrscht; darüber liegt im Obergeschoss ein Saal von etwa 7 Meter Breite und 9 Meter Länge und ein Vorplatz. Seitlich liegen beiderseits je 3 Zimmer. Der Saal ist unter einem umlaufenden, profilierten Stuckgesims prachtvoll mit Eichenholz vertäfelt, die Decke ist verputzt. Über den ursprünglich beidseitigen Kaminen sind in einem Bogen der Vertäfelung die verschlungenen Initialen des Bauherrn August Wilhelm mit einigen Regen- ceornamenten angebracht, darüber nach Steinackers Darstellung eine (jetzt jedenfalls fehlende) Herzogskrone. Ein großer schmiedeeiserner bzw. aus Eisenblech getriebener, wenig glücklich elektrifizierter Kronleuchter, wohl noch aus der Bauzeit, hängt in der Mitte. Der Fußboden des Saals, des Treppenvorplatzes und des Treppenpodests besteht aus rasterförmig verlegten Eichendielen mit quadratischen Zwischenfedern aus Fichtenholz. Die Diele hat eine Balkendecke und als Fußboden diagonal verlegte Steinplatten. Zum Treppenhaus öffnet sich die Diele mit einer hohen, zentralen Arkade während das Obergeschoss einer dtreiachsige Bogenstellung aufweist, von denen die beiden südlichen Bögen dem Treppenhaus zugehören, der nördliche Bogen den Aufgang ins Dachgeschoss vermittelt. Solche dreifachen Arkaden sind für korbsche Treppenhäuser typisch, dort aber meist im Untergeschoss zu finden. Alle Arkaden sind halbkreisförmig mit einem schlusssteinartigen Abschluss im Scheitel.
Nutzung des Jagdschlosses
Bald nach der Fertigstellung wurde das Jagdschloss von Fräulein Agnese Margaretha von Münchhausen, der unverheirateten Tochter des Drosten Burchardt von Münchhausen, bezogen. Nach ihrem Tode 1756 wurde das Jagdschloss (spätestens 1788) von einem Oberforstbediensteten bewohnt und war bis 1966 ohne Unterbrechung Sitz der Forstbehörde. 1736 bis 1737 erscheint es als fürstliches Haus auf dem Bauhofe. 1750 wird ein Nebengebäude des Gärtners Wohnung benamt als wandelbar und ein Angehänge, worin bei einem herrschaftlichen Hoefflager-Lager gekocht wird, als abgängig bezeichnet. Möglicherweise ist dies das in der Grundskizze als Küche benannte Gebäude. Offenbar bestand zu diesem Zeitpunkt dafür kein Bedarf mehr; doch erwähnt J.B. von der Rohr noch 1739, das Jagdschloss würde gar öfters von der hochfürstlichen wolfenbüttelischen Herrschaft besucht.
Sonstige Belege über eine Nutzung als herzoglichen Jagdhaus fehlen. Wie oft es nach dem Tode August Wilhelm 1731 und der danach einsetzenden sparsameren Politik Herzog Ludwig Rudolfs seinem eigentlichen Zweck als Jagdhaus noch gedient hat, ist fraglich. Die damalige Bezeichnung "Bauhof" spricht eher dagegen. Seit 1735 regierte Carl I., der offenbar an Walkenried kaum Interesse hatte und vielmehr 1760 zwei im Kloster verbliebene Leuchter und das berüchtigte Walkenrieder Halsband in seinen "Naturalien- und Kunst- Cabinet" bringen ließ. In den Bauakten wird das Gebäude nicht Jagdhaus, sondern stets fürstliches oder herrschaftliches Gebäude genannt. Als fürstliches Jagdhaus erscheint es einmal 1739 bei von Rohr, dagegen 1788 und 1803 bei Stübner und Hassel-Bege wieder als herrschaftliches Haus, der Wildenhof. Den Namen "Wildenhof" gemäß der Nutzung des Grundstücks vor dem Schlossbau verlor es erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, als auch der Name Jagdschloss gebräuchlich wurde.
Der nach dem Aufstand vom 07. September 1830 aus Braunschweig geflüchtete Herzog Carl II. hatte nach der beabsichtigten Rückkehr in sein Herzogtum für die ersten Regierungshandlungen Walkenried ausersehen; bekanntlich wurde dieser Versuch zwischen Ellrich und Zorge am 30. November 1830 durch braunschweigisches Militär unterbunden. vorläufiges Domoziel ins Auge gefasst hatte, kann allerdings auch nur vermutet werden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll das Jagdschloss zeitweise ein kleines Mädchenpensionat beherbergt haben, wahrscheinlich als Nebenerwerb des Forstmeisters. Am Mühlgraben befinden sich noch die Reste eines kleinen Badebassins für die Mädchen. Bis 1966 diente das Gebäude als Forstamt und wurde dann an die Berliner Luisengemeinde verkauft, die es als Erholungsheim nutzte. 1975 ging es in den privaten Besitz der Berliner Familie Rose über und wird seitdem als fürstliche Gastherberge genutzt.
Johann Kust Rammelsberg war ein Sohn des quedlinburger Kaufmanns und Acciseeinnehmers Johann Martin Rammelsberg; sein Bruder war königlicher Rentmeister in Berlin. "Auf Befehl des fürstlichen Consistorii" ehelichte Rammelberg 1727 in Walkenried Anna Augusta Sophia von der Horst, die älteste Tochter des verstorbenen Pfarrers und Inspektors Andreas von der Horst. Die "Copulation" erfolgte "pur[g]atim auf Befehl des fürstlichen Consistoriums; die Dispensation" kostete 26 Taler. Das war viel Geld: Rammelsberg erhielt nach eigener Angabe nur2 Taler wöchentlich. Von den 10 Kindern aus dieser Ehe starben mehrere im Kindesalter. Am 06. September 1728 wurde in Walkenried der Sohn Carl Ernst Philipp geboren, am 14. Februar 1730 Ernst Friedrich. Einer der Taufpaten dieses Kindes war der am Jagdschloss tätige Braunschweiger Baumeister Binteweis. 1732 nach Braunschweig versetzt, wurde Rammelsberg 1735 entlassen und war dann 3 Jahre stellungslos. 1738 erhielt er einen Posten als Bauschreiber beim Schlossbau in Blankenburg, wurde dann aber 1748 nach Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten nach Braunlage endgültig in den Ruhestand geschickt. Seine zahllosen Eingaben zeigen ihn als schwierigen Querulanten. Als er 1750 den Antrag stellte, aus dem betrübten und theuren Braunlage wieder nach Walkenried ziehen zu dürfen, untersagte Herzog Carl I. persönlich, dass dieser unnütze Mensch zu Walkenried wohnend da selbst neue Händel anfange. Ob Rammelsberg dann, wie er es vor hatte, nach Wieda zog, ist ungewiss; im Kirchenbuch erscheint er dort nicht.
Der 1725 begonnene Rohbau des Jagdschlosses war um 1727 vollendet, während sich der Innenausbau bis 1730 hinzog. Die Arbeiten führte der Braunschweiger Baumeister Ernst Binteweis aus; Abrechnung und Bauüberwachung oblagen Rammelsberg. Schon 1725 kam es zwischen Korb und Rammelsberg, der embsiger an seinem Hause sei als am fürstlichen Bau und die Bauleute zum Bier holen gebrauchte, zu Reibereien. Korb traute auch Rammelbergs Abrechnung nicht. Auch der Drost Lüdecke under Amtmann Burchtorff in Walkenried schien mit der Amtsführung Rammelsbergs in Walkenried unzufrieden gewesen zu sein.
Für den Rohbau wurde 1725 ein Kalkofen zum Brennen von Bitterkalk (gleich CaCO3) angelegt; der benötigte Gips wurde wie damals im Südharz üblich noch in Meilern gebrannt. 1830 wurden diverse Rösten und "Gipskalck" aus Neuhof bezogen. Anfang 1728 waren für 3 Monate Handwerker aus Braunschweig an Boden, Treppen und Panelen tätig.Dann stellte sich heraus, dass einige Balken durch die Schornsteine geführt waren und wegen der Brandgefahr geändert werden mussten. Es fehlte auch noch der Außenputz der Obergeschosse. Die seit 3 Jahren stehenden Gerüste fingen bereits an, zu verrotten. Auch im Inneren standen noch Putzarbeiten aus; auf den Böden unterm Tache fehlte noch 1729 der Gipsestrich. Insgesamt also ein wenig zügig vorangetriebenes Projekt! Im Sommer 1729 wurden Änderungswünsche ausgeführt: Im Saal des Erdgeschosses sollten Steinplatten verlegt werden; die Türen zu den Erkerzimmern im Dachgeschoss waren zu klein; Öfen waren aufzustellen und Kamine zu ändern. Im Juli 1729 lieferte die Schächermühle im Harz 3 Schock Dielen für Fußböden; 1729 und 1730 wurden von Rammelsberg abschlagsweise ca. 1000 Reichstaler Handwerkerlöhne angefordert. 1729 wurden die Korb zugeschriebenen und für ihn typischen hölzernen Arkaden im Obergeschoss zwischen Treppe und Vorplatz von dem Ellricher Zimmermeister Mund ausgeführt. Nicht Korb, sondern der Baumeister Ernst Binteweis machte 1728 einen neuen Riss für die Treppe, "damit die Dischler wißen, wie sie arbeiten müssen". Die aufwendige Eichenholztäfelung des im Obergeschoss über der Diele liegenden Saals erfolgte 1729 bis zum August 1730 (noch heute im Original erhalten) durch den Tischler Scheller aus Braunschweig "auf des Herrn Baumeisters Befehl"; d.h. auf Weisung von Binteweis, der die Abrechnung abgezeichnet hat. Diese Arbeiten kosteten 300 Reichstaler.
Für Kamine lieferte die Wiedaer Faktorei 1730 "8 doppelte Camin Platten".
Im September 1730 wurde schließlich eine "große Taffel auf den Saal" geliefert. Mehr ist über die ursprüngliche Möblierung nicht bekannt. Einige von STEINACKER erwähnte Inventarstücke wie eine Standuhr mit Mahagonigehäuse sowie einige Spitzgläser stammen vielleicht aus dem Besitz des Fräulein von Münchhausen die das Gebäude nach der Fertigstellung bewohnte. Nachdem sich Fräulein von Münchhausen schon 1732 über eindringende Feuchtigkeit auf der Wetterseite beklagt hatte, stellte der Baumeister Zwibbe 1732 eine Reihe von Baufehlern fest, z.B. fehlende Wasserschläge an den Fenstern. Weitere Schäden wie abgefallener oder aufgeblähter Wandputz durch nicht treibfreien Gips mussten 1736 behoben werden.
Baubeschreibung Der äußerlich recht schmucklose, zweigeschössige Bau über etwa quadratischen Grundriss hat ein einmal aufgestuftes Pyramidendach, wobei jede Seite einen 3 bzw. 2- fensterachsenbreiten, zwerghausartigen Dacherker aufweist. Die nach Osten gerichtete Eingangsseite hat 5, die übrigen Seiten haben 4 Fensterachsen. Auf der westlichen, schon im 18. Jahrhundert mit Brettern bekleideten Rückseite des Gebäudes bildet das Treppenhaus einen vorspringenden Risalit. Das Untergeschoss ist aus Dolomitquadern ausgeführt, das Obergeschoss und die Giebel der Dacherker sind verputzt. Die Gliederungselemente beschränken sich auf in jedem Geschoss umlaufende Gesimse mit einfachem Randschlag, Eckquaderung und vorspringende Fensterrahmungen aus Werkstein. Die sonst bei korbschen Bauten übliche Fassadengestaltung mit antikisierenden Pilastern fehlt vollkommen. Die ebenfalls von Hermann Korb entworfenen Jagdhäuser in Langeleben im Elm und in Hasselfelde waren in der Fassaden- und Grundrissgestaltung auf- wendiger; aber nur als Fachwerkbauten ausgeführt. Beide sind längst verschwunden, so dass Walkenried nicht nur als eins der wenigen erhaltenen Jagdhäuser Korbs gilt, insbesondere aber als Massivbau eine Sonderstellung einnimmt. Baumaterialien waren wohl frei zu haben, diente doch die Kirchenruine als billiger und bequemer Steinbruch. Einer der im Untergeschoss verbauten Steine an der südlichen Eingangsseite (unterhalb des Gesimses) trägt die nicht zu deutende Unzialschrift "EWA●GALLI●ABBIS●, offenbar das Fragment einer Bauinschrift aus der Klosterkirche.
Das Innere ist im Untergeschoss durch eine sehr große Diele von etwa 7 Meter Breite und über 14 Meter Länge mit 2 Kaminen beherrscht; darüber liegt im Obergeschoss ein Saal von etwa 7 Meter Breite und 9 Meter Länge und ein Vorplatz. Seitlich liegen beiderseits je 3 Zimmer. Der Saal ist unter einem umlaufenden, profilierten Stuckgesims prachtvoll mit Eichenholz vertäfelt, die Decke ist verputzt. Über den ursprünglich beidseitigen Kaminen sind in einem Bogen der Vertäfelung die verschlungenen Initialen des Bauherrn August Wilhelm mit einigen Regen- ceornamenten angebracht, darüber nach Steinackers Darstellung eine (jetzt jedenfalls fehlende) Herzogskrone. Ein großer schmiedeeiserner bzw. aus Eisenblech getriebener, wenig glücklich elektrifizierter Kronleuchter, wohl noch aus der Bauzeit, hängt in der Mitte. Der Fußboden des Saals, des Treppenvorplatzes und des Treppenpodests besteht aus rasterförmig verlegten Eichendielen mit quadratischen Zwischenfedern aus Fichtenholz. Die Diele hat eine Balkendecke und als Fußboden diagonal verlegte Steinplatten. Zum Treppenhaus öffnet sich die Diele mit einer hohen, zentralen Arkade während das Obergeschoss einer dtreiachsige Bogenstellung aufweist, von denen die beiden südlichen Bögen dem Treppenhaus zugehören, der nördliche Bogen den Aufgang ins Dachgeschoss vermittelt. Solche dreifachen Arkaden sind für korbsche Treppenhäuser typisch, dort aber meist im Untergeschoss zu finden. Alle Arkaden sind halbkreisförmig mit einem schlusssteinartigen Abschluss im Scheitel.
Nutzung des Jagdschlosses
Bald nach der Fertigstellung wurde das Jagdschloss von Fräulein Agnese Margaretha von Münchhausen, der unverheirateten Tochter des Drosten Burchardt von Münchhausen, bezogen. Nach ihrem Tode 1756 wurde das Jagdschloss (spätestens 1788) von einem Oberforstbediensteten bewohnt und war bis 1966 ohne Unterbrechung Sitz der Forstbehörde. 1736 bis 1737 erscheint es als fürstliches Haus auf dem Bauhofe. 1750 wird ein Nebengebäude des Gärtners Wohnung benamt als wandelbar und ein Angehänge, worin bei einem herrschaftlichen Hoefflager-Lager gekocht wird, als abgängig bezeichnet. Möglicherweise ist dies das in der Grundskizze als Küche benannte Gebäude. Offenbar bestand zu diesem Zeitpunkt dafür kein Bedarf mehr; doch erwähnt J.B. von der Rohr noch 1739, das Jagdschloss würde gar öfters von der hochfürstlichen wolfenbüttelischen Herrschaft besucht.
Sonstige Belege über eine Nutzung als herzoglichen Jagdhaus fehlen. Wie oft es nach dem Tode August Wilhelm 1731 und der danach einsetzenden sparsameren Politik Herzog Ludwig Rudolfs seinem eigentlichen Zweck als Jagdhaus noch gedient hat, ist fraglich. Die damalige Bezeichnung "Bauhof" spricht eher dagegen. Seit 1735 regierte Carl I., der offenbar an Walkenried kaum Interesse hatte und vielmehr 1760 zwei im Kloster verbliebene Leuchter und das berüchtigte Walkenrieder Halsband in seinen "Naturalien- und Kunst- Cabinet" bringen ließ. In den Bauakten wird das Gebäude nicht Jagdhaus, sondern stets fürstliches oder herrschaftliches Gebäude genannt. Als fürstliches Jagdhaus erscheint es einmal 1739 bei von Rohr, dagegen 1788 und 1803 bei Stübner und Hassel-Bege wieder als herrschaftliches Haus, der Wildenhof. Den Namen "Wildenhof" gemäß der Nutzung des Grundstücks vor dem Schlossbau verlor es erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, als auch der Name Jagdschloss gebräuchlich wurde.
Der nach dem Aufstand vom 07. September 1830 aus Braunschweig geflüchtete Herzog Carl II. hatte nach der beabsichtigten Rückkehr in sein Herzogtum für die ersten Regierungshandlungen Walkenried ausersehen; bekanntlich wurde dieser Versuch zwischen Ellrich und Zorge am 30. November 1830 durch braunschweigisches Militär unterbunden. vorläufiges Domoziel ins Auge gefasst hatte, kann allerdings auch nur vermutet werden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll das Jagdschloss zeitweise ein kleines Mädchenpensionat beherbergt haben, wahrscheinlich als Nebenerwerb des Forstmeisters. Am Mühlgraben befinden sich noch die Reste eines kleinen Badebassins für die Mädchen. Bis 1966 diente das Gebäude als Forstamt und wurde dann an die Berliner Luisengemeinde verkauft, die es als Erholungsheim nutzte. 1975 ging es in den privaten Besitz der Berliner Familie Rose über und wird seitdem als fürstliche Gastherberge genutzt.
Der Park
Sicher gehörte es zum ursprünglichen Plan des Bauherrn, das große Grundstück des Jagdschlosses zu einem repräsentativen Park auszugestalten. Allein die Ausrichtung der Eingangsfassade nach Osten zum Park hin ist dafür ein Indiz. Der jetzige Zugang von der Schlossstraße (Norden) her, der aber schon 1723 für den Wildenhof vorhanden war, passt überhaupt nicht in dieses Konzept, das eine von Osten her auf das Schloss führende Achse erwarten lässt. Es gibt aber keinen Beleg, dass eine Gestaltung des Parks im unmittelbaren Anschluss an den Bau erfolgte. Die doppelte Baumreihe zwischen dem Schloss und der Brücke über dem Mühlgraben die trotz ihrer Lückenhaftigkeit bis heute durchaus diese Achse betont, ist sicher erst päter angelegt.
1931 befanden sich zwei geschwungene Wege symmetrisch zu dieser Hauptachse des um 1900 ausdrücklich als "Park" bezeichneten Teils des Grundstücks. Diese Wegführung entspricht nicht der zu Korbs Zeiten üblichen geometrischen Gliederung, wie sie in gleichzeitigen Gärten realisiert war. Sie fehlt auch auf dem Plan von 1900. Ihre Anlage geht wohl ebenso wie der Bestand älterer Bäume auf das dortige Forstamt zurück. Der östliche, heute offene und als Grasland benutzte Teil des Grundstücks war um 1900 Gemüsegarten des Forstmeisters.
Zusammenfassung
Die Umgebung Walkenrieds ist als Jagdgebiet bis heute attraktiv, was auch der Anlass für die Planung des Jagdschlosses gewesen sein dürfte; die Klosterruinen waren damals wohl noch kein Anziehungspunkt. Über eine Nutzung des Gebäudes nach seiner baulichen Vollendung als herzogliches Jagdhaus konnten keine Belege gefunden werden. Angesichts der abseitigen Lage Walkenrieds im Fürstentum Blankenburg, in welches das Stiftsamt seit 1731 inkorporiert war, werden sich die späteren Landesherrn nicht mehr all zu oft dort aufgehalten haben.
Wegen des Todes des Bauherrn August Wilhelm bald nach der baulichen Fertigstellung des Schlosses ist eine Ausgestaltung des zugehörigen Grundstücks als barocker Park wohl nicht mehr erfolgt. Die Gestaltung der um 1900 dort vorhandenen Anlagen als kleines Arboretum mit exotischen Bäumen erfolgte vermutlich erst in der Zeit der forstlichen Nutzung des Gebäudes. Aus den Akten lässt sich dafür bisher kein Nachweis erbringen.
Quelle: Verein für Heimatgeschichte Walkenried und Umgebung e.V.,
erstellt von Fritz Reinboth
Das fürstliche Jagdschloss zu Walkenried
Das Walkenrieder Jagdschloss wurde in den Jahren 1725-1730 für Herzog
August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel erbaut.
Quelle: Verein für Heimatgeschichte Walkenried und Umgebung e.V.,
erstellt von Fritz Reinboth
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